Gottesdienst

für Mitarbeitende in der Kinder- und Jugendarbeit vor der Martinskirche

 

Gut vernetzt – nicht nur am 19. Juli 2020

Bunte Bänder spannen sich auf dem Passy-Platz von Sonnenschirm zu Sonnenschirm und vernetzen sie untereinander. Unter dem Netz und außenherum im Schatten haben sich an diesem strahlenden Sommertag rund hundert Menschen versammelt. Sie alle fühlen sich verbunden mit dem CVJM und der evangelischen Kirchengemeinde, viele unter ihnen sind Mitarbeitende in der Kinder- und Jugendarbeit. Im Freien hat der traditionelle Sendungsgottesdienst noch nie stattgefunden, aber in diesem besonderen Jahr ist ohnehin alles anders. Unter freiem Himmel ist Begegnung auf Abstand kein Problem. Zu den Klängen der „Bänd“, die nach langer Pause ihren ersten Auftritt hat, ließ es sich hinter der Gesichtsmaske tapfer mitsingen oder -summen: „Gott spannt leise feine Fäden, die du leicht ergreifen kannst…“ – und ansonsten konnte man frei durchatmen und sich freuen an dem unsichtbaren Netz, das auch in Zeiten des Abstands Menschen untereinander und mit Gott verbindet. Beeindruckend, wie viele Namen von Jugendreferentin Carolin Gronbach, Susanne Rilling vom CVJM-Verantwortlichenrat, dem CVJM-Sportbeauftragten Hans-Dieter Losch und Jugendpfarrerin Katharina Dolmetsch-Heyduck vorgelesen wurden – rund 140 Menschen sind oder waren im laufenden Jahr in der Kinder- und Jugendarbeit tätig. Sie alle brauchen eine gute Vernetzung untereinander, um auch Krisenzeiten gut durchstehen zu können.

Ums Vernetztsein ging es selbstverständlich auch in der Predigt. Jesus hat nicht zufällig Menschen in die Nachfolge gerufen, die sich mit Netzen gut auskannten. Simon Petrus und seine Fischerkollegen hatten mit Jesus erlebt, dass bei allem routinierten Umgang mit Netzen das Vertrauen auf Jesus mehr zählt als die eigene Erfahrung und Gewohnheit. Vielleicht kann sogar das nervige Corona-Virus der Anlass sein, dass ich mich frage: wem traue ich eigentlich mehr zu: meiner Routine und Erfahrung – oder Jesus? Wenn Jesus sagt, ich soll die Netze auswerfen, auch wenn die Bedingungen denkbar ungünstig sind und eigentlich alles grad nur zum Heulen ist, weil die Netze auch unter optimalen Bedingungen leer waren, wage ich es dann, etwas gegen meine Gewohnheit zu tun? Simon Petrus hat es damals gewagt – und er hat den Fang seines Lebens gemacht. Aber: welche Netze braucht man eigentlich als Menschenfischer? Das Netz der Menschenfischer ist nichts anderes als die Liebe Gottes. Sie will niemand umgarnen und gefangen nehmen, sondern ein festes Beziehungsnetz ermöglichen: zwischen den Menschen untereinander und zwischen den Menschen und Gott. Bis heute sind wir auf diese Weise gut vernetzt. Das bekamen die Mitarbeitenden in der Kinder- und Jugendarbeit zu spüren, als sie mit dem Segen Gottes und einem kleinen Gemüsenetz samt „Goldfischli“ als Wegzehrung ausgesandt wurden. Das Netz der Liebe Gottes spannt sich weit durch die Jahrhunderte und Jahrtausende. Heute sind wir als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, als Kirchengemeinde und CVJM Teil dieses weltweiten Netzwerks, das damals begonnen wurde. „Fürchtet euch nicht!“, sagt Jesus – egal, wie seltsam die Zeiten und die Bedingungen auch sind – Ihr sollt meine Menschenfischer und Menschenfischerinnen sein!

Katharina Dolmetsch-Heyduck

 

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